galerie kienzle & gmeiner

tom meacham

april

 

4. mai 2008 - 27. juni 2008

 

Tom Meacham, Tom Meacham, Tom Meacham, Tom Meacham, Tom Meacham,
Gewinnt das wiederholte Wort an Bedeutung oder verliert es seinen Biss?

Tom Meacham schafft die Voraussetzungen für das Minimale mit einem Image der Maßlosigkeit. Dutzende kleiner Bilder an der Wand aufgestapelt wie Brote im Fenster eines Restaurants. Die Arbeit, wie wenn sie noch installiert werden soll, ruft ein Gefühl der Vorausahnung hervor, welches sogleich ins Umgekehrte kippt wenn die Kreuze auf Rechtecken beginnen wie Grabsteine auszusehen. Aber die Grau und Blautöne dieser Module sind leicht, sauber und hell, frisch vom Montageband. So generisch und so besonders wie Autos in einem Fertigungslos oder modern gestaltete Tabletten. Das T oder + ist offen, frisch, müde genug, vertraut neu. Sie bieten die nicht gehaltenen Versprechen der Moderne erneut zur Verhandlung an.

Ein großes Bild geht über seine Wand hinaus, so dass seine Rückseite für uns sichtbar wird. Von Anfang an glauben wir hinter den Kulissen einer Ausstellung zu sein, die Konstrukte betrachtend, die Mysterien vermitteln. Die Galerie, die sich im Dienste der Kunst selbst unsichtbar machen möchte, wird hier beleuchtet. So wie Brecht die Trope des Theaters offenlegt, spielt Meacham damit, dass wir die Gelegenheit nutzen werden hinter die Systeme der Verzauberung zu schauen, im Glauben, dass die Objekte die Enthüllung aushalten können. Ihr Wert, ihre Bedeutung wird durch das helle Licht des Untersuchenden gesteigert.  

Le Corbusier behauptete, dass „Gewohnheiten die Architektur unterdrücken“. Hier wird nichts als selbstverständlich angenommen. Es gibt keine einfache Betrachtung, kein Entrinnen. Wir sind verantwortlich für unsere Gedanken. Matisses Lehnstuhl ist nirgendwo zu sehen.

Auf billigen in Massenproduktion hergestellten Leinwänden sind Ts wie Autos, Spielzeug und Maschinenteile aufgesprüht. Sie gleichen Tänzern mit ausgestreckten Armen, im Begriff sich zu verbeugen. Erst sind sie weit entfernt und dann verletzlich. Wegen ihrer Ähnlichkeit genießen wir besonders die Nuancen der Verschiedenheit, die unsere besondere Aufmerksamkeit belohnen, unsere Kenntnis bestätigen und den Glauben bekräftigen, dass keine zwei Tänzer, keine zwei Leute gleich sind. Es gibt genug Bilder um Friedhöfe oder Galerien zu füllen oder um Häuser zu bauen. Nicht einmal zwei sind gleich. Es gibt den Schimmer eines Glanzes auf einigen matten Oberflächen, schmutzige Ecken und Ferien, wo die Farbe nicht geklebt hat. Es gibt Glasurrisse in einem, Vertiefungen in einem anderen. Es kann sein, dass ein Rand Tropfen oder ein Spray offen legt. Wie Leute, erscheinen sie anonym oder wie ein Cartoon bis die Vertraulichkeit einem ihre Inkonsistenzen erwärmt. Ein grau-weißes mit einer kaputten Seitenstange sticht hervor wie Tiny Tim, wieder ein T-Name, in einem Weihnachtslied von Dickens. Die Kreuzgemälde entstanden als Toms Vater, nach dem er benannt wurde, in einem katholischen Krankenhaus verstarb, eine intime Lektion darüber wie Dinge sich ändern. Hat der Künstler sich diesem Verlust angepasst, indem er die konstantesten Sets seiner Karriere hervorbrachte. Wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird ist eine Lösung, an den Wänden herumzuspielen.

Das T fungiert als Zeichen und als Maß für die Höhe und Breite der Leinwände und um sie in Teile zu teilen, in Kammer. „Sie sind minimale“ Ikone, die häufig mit einer bedeutenden Form assoziiert werden. Eine Art wie man die wesentliche Wahrheit eines Gemäldes prüfen könnte wäre zu sehen, was Menschen in verschiedenen Kulturen mit ihnen machen. Ein Rothko der in einer Wüste zurück gelassen wird sollte am besten als Material für ein Zelt genutzt werden. Ist es noch ein Gemälde oder ist es ein Schutzraum? Meacham stellt Bilder zu einem Kartenhaus auf und lädt uns ein, ihre Funktion zu hinterfragen.

Es ist die Form eines Kreuzes das zum Symbol der Erlösung und zum Grundriss einer Kirche wurde, der frühe Missbrauch eines Symbols der Vorherrschaft, um seine Macht zu beanspruchen. Hier wurde das Kreuz von Corbusier geborgt, der Initiator des sauberen gut beleuchteten Raumes, welches dieser Künstler misshandelt in seinem Bedürfnis offenzulegen, wie es arbeitet und seine Autorität zu untergraben.

Das Spiel der Kinder geht oft über den vom Hersteller beabsichtigten Gebrauch eines Objekts hinaus. Im Spiel untergraben wir die Autorität der Konvention sich einer vorübergehenden Welt außerhalb unseres Einflusses anzupassen. D.W. Winnicott behauptet, dass Erwachsene vorübergehende Objekte ersetzen und das Spiel mit Kultur und Religion ersetzen. Indem er mit den beabsichtigten Nutzungen der Architektur einer Galerie spielt, entschärft Tom eine Welt, die er nicht kontrollieren kann. In der Wiederholung beschäftigt sich Meacham mit Beständigkeit und Veränderung.
Die verweigerte Aura hinterlässt einen heller strahlenden Glorienschein.
 

Tom Meacham, Tom Meacham, Tom Meacham, Tom Meacham, Tom Meacham,
Does the repeated word gain meaning or lose its ability to sting?

Tom Meacham sets the stage for the minimal with an image of excess. Dozens of small paintings stacked against the wall like loaves left in the front of a restaurant. The work, as if to be installed, invokes a sense of anticipation soon replaced by its inverse as the crosses on rectangles come to resemble headstones.  But the grays and blues of these modules are light ,clean and bright, fresh from the assembly line. As generic and as particular as cars in a lot or tablets of modern design. The T or + is sufficiently open, fresh, tired, familiar new. They offer the broken promises of modernism for re-negotiation.

A large painting extends beyond its wall so that its reverse side is exposed to our view.  From the onset we feel to be backstage at a show, examining the constructs that confer mystery. The gallery, which likes to render itself invisible as if in the service of the art, is here illuminated. Like Brecht revealing the tropes of theatre, Meacham gambles that we will welcome this occasion to look behind the systems of enchantment, in the belief that the objects can survive this stripping. Their value, their meaning is enhanced by the inquisitor’s bright light.

Le Corbusier claimed that “Customs stifle architecture.” Here nothing is taken for granted. There is no easy viewing, no escape. We take responsibility for our thoughts. Matisse’s armchair is nowhere in sight.

On cheap mass produced canvases Ts are spray painted like cars, toys and machine parts. They resemble dancers with arms extended preparing to bow. They are remote and then vulnerable. Because of their similarity we take particular pleasure in the nuances of distinction that reward our close attention, confirm our connoisseurship and affirm the faith that no two dancers, no two people, are alike. There are enough paintings to fill cemeteries or galleries or build houses. No two are the same. There are glints of shine on some matte surfaces, dirty corners and holidays where the paint did not adhere. There are crazes in one , dimples in another. An edge may reveal drips or spray. Like people, they seem anonymous or cartoonish until familiarity warms you to their inconsistencies.  A gray and white one with a broken side bar stands out like Tiny Tim, another T name, in Dickens’ Christmas Carol. The cross paintings began when Tom’s father, after whom he was named, passed away in a Catholic hospital, an intimate lesson in ways things change. Did the artist adjust to this loss by doing the most constant set of his career. When the rug is pulled out from under, one solution is to mess with the walls.

The T+ functions as sign and as a way to measure the canvas' height and width and divide it into parts, into chambers. They are minimal icons often associated with significant form. One way to test the essentialist veracity of a painting might be to see what people in disparate cultures do with them. A Rothko left in the desert might be best used as tent material. Is it still a painting or is it shelter? Meacham stacks paintings into a house of cards and invites us to question their function.

It is the shape of a Roman torture instrument that became a symbol of deliverance and the floor plan of a church., an early misuse of a symbol of domination in order to claim its power. Here the cross was borrowed from Corbusier, the instigator of the clean well lit space, that this artists abuses in his need to reveal its working and undermine its authority.

Children’s play often extends the use of an object beyond its manufacturer’s intention. In play we undermine the authority of convention to adjust to a transitional world beyond our influence. D.W. Winnicott claims that adults replace transitional objects and play with culture and religion. In toying with the intended uses of the gallery’s architecture Tom defuses a world he cannot control. In repetition Meacham engages constance and change.
The denied aura leaves a brighter halo.


Sammlung Kienzle