SHOW 23

MICHAEL BALLOU

a pound of sound is round

 

9. Juni 2018 - 5. Oktober 2018

eröffnung: 8. juni 2018, 19 uhr

poems by brian dewan

prose by kurt hoffman

 

English version see below

Eines Tages krochen die Fische aus dem Moor. Sie hatten dunkle Augenpaare und große Zähne. Mit der Zeit wurde es kälter, natürlich, und die Fische bekamen Haare. Ihre Füße entwickelten Klauen und Hufe. Sie fingen an zu bellen und zu seufzen und die Erde zu bevölkern. Bald waren sie auf Kreuzfahrten unterwegs, dem Ballsaal entschlüpfend, um einander zu umwerben, in der salzigen Luft auf Deck: die urzeitliche, salzige See, die sich unter dem Mondlicht weitet. Was kam als nächstes? Vielleicht kam nichts danach und die Menschen sind noch immer verloren in ihrer Verwandlung von einer Mikrobe zum Tier zum empfindsamen Schöngeist.
Wir versuchen noch immer, den Sumpf zu verlassen, aber wir wissen nicht, welche Glieder wir bräuchten, für den nächsten Schritt, wenn es ihn gäbe.
Stimmt das? fragte die Prinzessin, während sie einen Strauß violetter Astern in den Händen hielt, der sich in ihren klaren Augen spiegelte. Ich glaube, ich sollte mir zwischen meinen Gehirnhälften eine Art Kiemen wachsen lassen. Ich glaube, ich sollte durch meine Synapsen schwimmen.
Meinst du nicht deine Nasennebenhöhlen, lachte der hübsche Verehrer an ihrer Seite.
Sie runzelte die Stirn und knickte seinen Kopf ab - zack - einfach so. Dann spähte sie seinen Nacken hinunter: da waren keine Kiemen, nichts mehr. Aber aus dem Schlot, der sein Nacken gewesen war, entwich ein feiner Nebel - seine erzählenden Eingeweide, jetzt befreit, erzeugten ein verblüffendes Parfüm, welches sich im Garten ausbreitete wie ein kleines Bedauern.

Text: Kurt Hoffman,
Übersetzung: Julia Eichler
 

One day, the fish crawled out of the swamp. They had pairs of eyes, dark eyes, and large teeth. Over time, of course the temperature would drop, and the fish would grow hair. Their feet would grow hooves and claws. They would bellow and groan and populate the earth. And soon they were on pleasure cruises, slipping away from the ballroom to woo each other in the salt air up on deck, the ancient and salty sea streching everywhere under the moonlight. What next?
Perhaps nothing was ever next and humans are still lost in transition from microbe to beast to sentient aethete. We are still trying to leave the swamp, but we don't know what limbs we need for the next step, as it were.
Is that so? asked the princess, her glassy eyes reflecting the spray of purple aters she held in her hand. I believe I should grow some sort of fins right between my two cerebral hemispheres. I think that I should swim into my synapses.
Don't you mean your sinuses, laughed the handsome swain at her side.
She frowed and broke his head off - snap! - just like that. She peered down his neck. There were no fins inside, or anything else. But drifting out the chimney that used to be his neck was a fine mist - his narrative entrails now libereated, creating a bewildering perfume that spread across the garden like regret.

Text: Kurt Hoffman


SAMMLUNG KIENZLE