SHOW 13

johannes gachnang

nicht verblüffen, wundern will ich mich - werke von 1960 bis 1973

 

18. april 2015 - 18. juli 2015

presseführung mit der kuratorin angelika arras: 17. april 2015, 17 uhr

eröffnung im anschluss von 19-21 uhr

 

English version see below

Die Kienzle Art Foundation freut sich, das bisher selten gezeigte graphische Werk von Johannes Gachnang (*1939 bis 2005) zu präsentieren. Vor allem als Direktor der Kunsthalle Bern und Verleger bekannt, entstand sein künstlerisches Werk eher im Verborgenen. Die Kuratorin Angelika Arras möchte mit ihrer Ausstellung nicht nur an den Schweizer Künstler Gachnang erinnern, sondern auch dessen graphisches Werk in der europäischen Kunstgeschichte einen würdigen Platz geben. Das eigene künstlerische Schaffen wurde eine wichtige Grundlage für alles, was er auf seinem weiteren Lebensweg erreichte und soll nun anlässlich seines 10. Todestages in diesem Jahr erstmalig für die Öffentlichkeit wiederentdeckt werden.

Inspiriert von den Werken Paul Klees und WOLSʻ begann Johannes Gachnang 1960 in Paris erste Radierungen anzufertigen. Es folgten die Berliner Jahre im Atelier seines Lehrmeisters, des Architekten Hans Scharoun. 1967 verlieh ihm die Akademie der Künste den Kunstpreis der Stadt Berlin für seinen ersten Radierzyklus „Die neue historische Architektur des J.G. frei nach Fischer von Erlach“. Weitere Zyklen folgten in Istanbul, Rom, Amsterdam und Zürich.

In diesen Jahren entstanden die Freundschaften zu Georg Baselitz, Per Kirkeby, Jörg Immendorff, A.R. Penck, Günther Förg, Luciano Fabro, Gaston Chaissac, Meret Oppenheim und anderen, die ihren und seinen Weg prägen sollten. Als Direktor der Kunsthalle Bern (1974 bis 1982) trug er als visionärer Trendsetter maßgeblich dazu bei, dass sie bekannt wurden. Seine originellen, unakademischen Ausstellungen wurden zu seinem Markenzeichen. Und auch mit der Gründung des Verlages „Gachnang & Springer“ stand seine Leidenschaft für die Kunst im Fokus. Wie schon in der Kunsthalle galt auch hier: „Es geht nicht um Stil, sondern um Stimmung“.

Die Ausstellung „Nicht verblüffen, wundern will ich mich“ spannt von ersten Städteskizzen Gachnangs einen Bogen über historische Bezüge hin zur zeitgenössischen Kunst und wirft Fragen zur zukünftigen Entwicklung von Städten auf. Leihgaben von Adolf Wölfli, Georg Baselitz, A.R. Penck und Wols, „Kollaborationen“ von Johanes Zechner & Johannes Gachnang sowie die „Hommage à J.G.“ von Gaspare O. Melcher und „Mexiko City“ von Balthasar Burkhard runden das Bild ab. Somit wird auch ein Blick auf die für den Künstler so wichtigen Freundschaften und künstlerischen Kollaborationen geworfen. Die ausgestellten Blätter der Mappe „Lʼunivers de la faute – Sechs Briefe an Freunde“ sind als Hommage an seine Künstlerfreunde zu verstehen und behandeln die Auseinandersetzung mit deren Werk und den Arbeiten Gachnangs, dessen Radierung die Grundlage bildet und von einem weiteren Druck im Stil seiner Künstlerfreunde überlagert wird. So entsteht ein detaillierter Einblick in das Schaffen von Johannes Gachnang und die stete Beschäftigung mit dem Medium der Druckgraphik.

Der aktuelle Blick auf die Position und Bedeutung der Druckgraphik in der heutigen Kunstlandschaft würde Johannes Gachnang freuen. Waren doch seine Radierungen auch aus Sorge um den drohenden Zerfall dieses Handwerks und den Verlust der historischen Tradition dieser Techniken entstanden. Erfreulich wäre, wenn diese Hommage à Johannes Gachnang auch dazu anregen könnte, das Potential einer Zusammenführung des traditionellen künstlerischen Ausdrucksmittels mit heutigen innovativen Möglichkeiten, Themen und Positionen zu erforschen.

Einen großen Dank für die finanzielle und ideelle Unterstützung:

Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung, Zürich
Präsidialdirektion der Stadt Bern, Abteilung Kulturelle
SWISSLOS/Kultur Kanton Bern
Stanley Thomas Johnson Stiftung, Bern
Stiftung Zukunft, Berlin
 

The Kienzle Art Foundation is excited to present the rarely exhibited graphic work of Johannes Gachnang (1939- 2005). Known in particular for his tenure as director of the Kunsthalle Bern and as a publisher, his artistic work has unfortunately long remained hidden. With this exhibition, curator Angelika Arras not only wishes to call attention to the Swiss artist, she would also like to give his graphic work its proper place in European art history. Gachnangʼs own artistic work served as an important foundation for everything that he would achieve later in his life and now, on the occasion of the tenth anniversary of his death, it can be discovered by the public for the first time again.

Inspired by the work of Paul Klee and WOLS, Johannes Gachnang began to produce his first etchings in 1960 in Paris. This was followed by his Berlin years as an apprentice in the studio of his teacher, the architect Hans Scharoun. In 1967, the Academy of Arts awarded him the Berlin Art Prize for his cycle of etchings “Die neue historische Architektur des J.G. frei nach Fischer von Erlach”. Further cycles would follow in Istanbul, Rome, Amsterdam and Zurich.

It was in these years that he struck up friendships with Georg Baselitz, Per Kirkeby, Jörg Immendorff, A. R. Penck, Günther Förg, Luciano Fabro, Gaston Chaissac, Meret Oppenheim and others, which would influence both his and their development. As director of the Kunsthalle Bern (1974 to 1982) and as a visionary trendsetter, he was known for his original and academic exhibitions and played a significant role fostering their careers. He was known for his original, unacademic exhibitions. His passion for art was also his focus in founding the “Gachnang & Springer” publishing house. Here the same motto applied as in the Kunsthalle: “Itʼs not about style, itʼs about mood.”

The exhibition “Nicht verblüffen, wundern will ich mich” traces an arc from Gachnangʼs first city sketches through art historical references all the way to contemporary art and poses questions on the future development of cities. Loans made available the works by Adolf Wölfli, Georg Baselitz, A. R. Penck and Wols, “collaborations” between Johanes Zechner and Johannes Gachnang as well as Gaspare O. Melcherʼs “Hommage à J. G.” and Balthasar Burkhardʼs “Mexico City” complete the picture. As such, the exhibition also provides insight into the friendships and artistic collaborations that were so important for Gachnang as an artist. The exhibited pages from the portfolio “Lʼunivers de la faute – Sechs Briefe an Freunde” are intended as an homage to his artist friends and treat his involvement with their work and their engagement with his own: Gachnangʼs etching serves here as a basis and is overlaid with a further print in the style of his artist friends. All of this adds up to a detailed look at the work of Johannes Gachnang and a celebration of his life-long involvement with the medium of printed graphic work.

The current perspective for the position and significance of printed graphic work in todayʼs art world would please Johannes Gachnang. Indeed, his etchings were also produced out of a concern for the imminent disappearance of the craft and the loss of the historical tradition behind these techniques. It would be very gratifying if this homage to Johannes Gachnang could also serve as an inspiration to explore the potential of a fusion of this traditional artistic expression with contemporary innovative possibilities, themes and positions.

A big thanks for the financial and ideal support:

Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung, Zürich
Präsidialdirektion der Stadt Bern, Abteilung Kulturelle
SWISSLOS/Kultur Kanton Bern
Stanley Thomas Johnson Stiftung, Bern
Stiftung Zukunft, Berlin
 


rahmenprogramm

 

Dienstag, 19. Mai 2015

Dr. Volker Hassemer, Stiftung Zukunft Berlin, Statement zur Zukunft der Städte mit anschließender Diskussion.
 

Freitag, 5. Juni 2015

Lesung mit dem Schriftsteller und Freund des Kuüntlers Ingo Schulze
 

Freitag, 26. Juni 2015

„Hans“ (mit Johannes Gachnang, Stephan Geene und Penelope Georgiou),
ein Film der Wiener Künstlerin Penelope Georgiou (Sammlung Jochen Kienzle)
 

Freitag, 10. Juli 2015

Wolfram Berger, Schauspieler, Kabarettist, Wortjongleur, Basel/Wien,
liest aus dem Werk des Schweizer Künstlers, Komponisten und Schriftstellers Adolf Wölfli.