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OUT OF LINE

françois joseph chabrillat | marieta Chirulescu | michael hakimi | josef kramhöller | claudia kugler | bertold mathes | klaus merkel | verena pfisterer | eva-maria raschpichler | gary stephan | kerstin stoll | elmar zimmermann

 

1. november 2008 - 3. november 2008

 

In seinen wenigen, aber höchst produktiven Schaffensjahren setzte sich Josef Kramhöller (1968-2000) von der Malerei herkommend nicht nur in verschiedenen Medien, sondern sozusagen am eigenen Leib mit generellen Fragen der Repräsentation und der konkreten Analyse gesellschaftli-cher und ökonomischer Verhältnisse auseinander. So führte ihn seine Frage, „How to colonise colonised spaces?“ etwa zu der auf dem Art Forum gezeigten Fotoserie der eigenen Fingerabdrücke auf den Schaufenstern von Luxusboutiquen. Und Clara Schumann befreit er in wiederholten Zeich-nungen, nach ihrer Darstellung auf dem Hundertmarkschein, von ihrer Rolle als Ikone des Monetären. Auch die bei Out of Line präsentierten Décollagen von Straßenpostern zeugen von Kramhöllers sozialkritisch ambitionierter Aneignungsstrategie, die er in seinen Bildern mit dem informell-gestischen Stil aus Münchener Studienzeit kombiniert.

Mit Verena Pfisterer (*1941) ist auf dem Art Forum eine Künstlerin vertreten, die sich seit ihrem Abschluss an der Düsseldorfer Kunstakademie 1967 dezidiert den ökonomischen Mechanismen des Kunstbetriebes entzog. Im Kontext der Kunstmesse kommt dies auf humorvolle Weise bei der rekonstruierten Installation zum Ausdruck, die sie 1966 zu dem u.a. in Zusammenarbeit mit Joseph Beuys, Jörg Immendorff und Chris Reinecke realisierten Aktionsabend ‚Frisches’ beitrug. Gleichzeitig verweist die Installation auf ihre danach entstandenen Entwürfe von Erlebnisräumen wie sie auch bei Out of Line zu sehen sind; Räume, die, laut Pfisterer, auf sinnliche Weise „dem utopischen Anspruch auf Veränderung von Bewusstseinsprozessen verpflichtet waren“.

Von dem Karlsruher Künstler Elmar Zimmermann (*1976) werden auf dem Art Forum drei Objekte gezeigt, die repräsentativ für seine Arbeitsweise mit gefundenem Material stehen. Eine auf der Straße gefundene Kiste wird zum Miniaturmuseum umgedeutet, bei MalerkollegInnen gesammelte Lappen werden zum weich-geometrischen Tafelbild genäht, ein auf dem Flohmarkt aufgetriebenes Gemälde zersägt und neu zusammengesetzt. Im Hinblick auf das Eigenleben von Zimmermanns objets trouvés schreibt Hans-Jürgen Hafner: „Da wird Geschichte zur Oberfläche, einer Art Patina, die Elmar Zimmermanns Arbeiten immer mit transportieren, teils nur zugelassen, manchmal hingegen geradezu in Szene gesetzt.“
 

Mit Klaus Merkel (*1953), Gary Stephan (*1942) und dem Neuzugang Bertold Mathes (*1957) sind bei Out of Line drei Künstler vertreten, die einen Schwerpunkt des Galerieprogramms repräsentie-ren. Die Künstler betreiben Malerei dezidiert unter konzeptuellen Bedingungen, analysieren die Grundlagen und Spielräume, die Strukturen und Rhetoriken der Malerei ohne dabei jemals das Bild als ihren Dreh- und Angelpunkt aus den Augen zu verlieren.

Eine Sonderposition nimmt der französische Künstler François Joseph Chabrillat (*1960) ein, der sich selbst vom Kunstgeschehen weitestgehend fernhält, es aber dank Magazinen und Katalogen doch intensiv für und innerhalb seiner Arbeit reflektiert. So sind es meistens Reproduktionen von Werken teils sehr prominenter Künstler, die Chabrillat für seine farbenfroh-märchenhaften Karton-druck-Zyklen quasi illustrativ einsetzt, damit Parabeln und Kommentare entwickelt. Bei Out of Line ist seine 20-teilige Serie zu Hänsel und Gretel nach sechs Jahren Entstehungszeit erstmals komplett zu sehen.

Der von Claudia Kugler kuratierte Ausstellungsteil von Out of Line bietet einen Reflexionsraum über Bilder an – wie sie als aktive Figuren einer Ausstellung Anforderungen genügen oder stellen und Begehrlichkeiten erfüllen oder verweigern. Die malerisch (Michael Hakimi), grafisch (Eva-Maria Raschpichler), digital (Claudia Kugler, Kerstin Stoll) und collageartig (Marieta Chirulescu, Elmar Zimmermann) entstandenen Arbeiten vereint die ins Bild gesetzte Auseinandersetzung mit der unüberbückbaren Distanz zwischen der Wahrnehmung und ihrem Gegenstand und den Reiz, der dadurch entsteht.


Sammlung Kienzle