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leo de goede

paintings

 

4. februar 2006 - 29. april 2006

 

English version see below

Auf den ersten Blick sind Leo de Goedes Gemälde attraktiv und verführerisch. Auch wenn sich eine Quelle dieser Verführung aus der natürlich gewachsenen Holzstruktur speist, oder noch banaler, von der Maserung des ausgewählten „plywoodboard“ * herrührt. Der Maler seziert mit Farben die Holzadern, legt die Anatomie des Brettes frei. Er entscheidet, bemalt treffend und zeigt, was das „Ding“ bereit ist, an Muster abzuwerfen. Die großformatigen Tafeln erinnern immer noch an sein Holz, zeigen den Träger, fügen darüber hinaus der Maserung aber das eigene „Bild“ hinzu, tätowieren dem Gegenstand die Diktion des Malers ein. Über die Addition verschiedener Farb-Adern wird dem Naturtext ein fremder Textkörper übergeworfen, ein „Sample“ von übergemaltem „Gleichen“, durch Farbe verdoppelt, sichtbar gemacht und verdeutlicht. Auf den zweiten Blick also stellt sich zusätzlich die Frage nach der Natur der Malerhand und damit nach der Natur der Malerei selbst.

Schon frühere Bilder de Goedes sind diesem Vordringen, dem Eindringen in die Anatomie der Dinge verhaftet. Hauptmerkmal sind Muster, Spiegelung, Form-Addition und Wiederholung. „Spiegelung“ vermeidet grundsätzlich Komposition. Der Künstler ergibt sich dem Gegenstand in der Macht der Verdopplung. Ist aber die Verdopplung Grundlage von malerischer Operation, ist das gemalte Modell der Wiederholung das der Imitation. Damit nähert sich der Maler auf einer zweiten Ebene dem Gegenstand, den er betrachtet. Bei den Leinwandarbeiten verzichtet er nur scheinbar auf die Vorgaben des Holzträgers, denn es sind minutiös abgemalte Naturbilder, freilich selbsterzeugte, aus seinen künstlich im Atelier präparierten Modellen, gewonnen aus sich im Wasser abstoßenden Ölgemischen, methodisch Jahrhunderte alt, die er als Bilder von diesem Wasseroberflächenfilm abzieht und auf flaches, saugendes Papier generiert. So sind Leo de Goedes „Marbles“ nichts anderes als Malerei über Natur.

Markus Horch. NYC Juli 2005

*Amerkung zu „plywoodboard“
eigentlich handelt es sich nicht um ein Brett, gesägt aus dem Baumstamm. „Plywood“ ist billiges Schichtholz aus gepressten Lagen. Die Vorder-und Rückseite schließen mit einem Furnierholz ab. Das trägt die Maserung und hat die faszinierende Oberfläche. Dabei sollte erwähnt werden, dass Furnier mit einem Messer vom runden Stamm geschält wird, ähnlich dem Vorgang beim Spitzen eines Bleistiftes. So ist es möglich das „Bild“ des Holzes zu verdoppeln, da sich aus dem Stammumfang selten ein so breites, abgeschältes “Deckblatt“ erzeugen lässt und das Schälmesser die nächste Schicht nahtlos abschält - und damit gewissermaßen - anfügt. Diese Schicht ist der darüber liegenden natürlich identisch, ist sie doch vom gleichen Stamm. Eine Bemerkung, die bei der Auswahl Leo de Goede´s Bilderdenken nicht unwichtig ist, denn Verdopplung der Motive spielt eine wesentliche Rolle und löst den Maler vom Gegenstand.

 

At first glance, Leo de Goede’s paintings are attractive and seductive. Even if one source of this seduction feeds on the natural growth of the structure of the wood, or even more tritely, derives from the grain of the plywood board * selected. The painter dissects with colors the veins of the wood, liberating the anatomy of the board. He decides, paints appositely and shows what the “thing” is ready to cast off in terms of patterns. The large-format panels are still reminiscent of their wood, showing the support, even adding their own “images” to the grain, tattooing the painter’s diction into the object. Through the addition of different color veins, a foreign text body is slipped over the natural texts, a “sample” of overpainted “equals,” doubled, made visible, and clarified by color. On closer inspection, therefore, it also raises the question of the nature of the painter’s hand and hence of the nature of painting itself.

Earlier paintings by de Goede were also rooted in this pushing forward, pushing into the anatomy of things. Their main features are patterns, mirroring, form addition, and repetition. “Mirroring” avoids composition as a matter of principle. The artist devotes himself to the object in the power of doubling. But when doubling is the basis of painterly operations, the painting model of the repetition is the model of imitation. Hence the painter approaches the object he observes on a second level. In works on canvas he only seems to dispense with the guidelines of the wood support, for they are meticulous copies of nature, though admittedly ones he has produced himself, from models artificially prepared in the studio, obtained  from mixtures of oils repelled in water, by a centuries-old method, which he prints like photographs from this film on the surface on the water and generates on flat, absorbent paper. Hence Leo de Goede’s Marbles are nothing other than painting about nature.

Markus Horch, New York City, July 2005

* A Note on Plywood Board
It is not, fact, a board sawed from a tree trunk. “Plywood” is inexpensive laminate wood from pressed layers. The front and back sides are faced with a veneer. It should be mentioned that the is peeled from a round trunk using a blade, much as one sharpens a pencil. This makes it possible to double the “image” of the wood, since the circumference of a trunk rarely allows one to produce such a broad, peeled “wrapper,” and the blade peels off the next layer seamlessly—and thus in a sense—appends it. This layer is, of course, identical to the one above it, since it’s from the same trunk. This remark is not unimportant to the selection of Leo de Goede’s pictorial thinking, since the doubling of the motifs plays a fundamental role and liberates the painter from the object.


Sammlung Kienzle