galerie kienzle & gmeiner

josef kramhöller (1)

 

9. september 2000 - 21. oktober 2000

 

English version see below
 

Die Galerie Kienzle & Gmeiner zeigt eine Einzelausstellung mit Zeichnungen, Fotoarbeiten, Malerei und Texten von Josef Kramhöller. Es ist die erste Einzelausstellung des seit 1994 in London lebenden Künstlers in Deutschland.

Die Ausstellung beinhaltet drei Bilder, die Anfang 2000 entstanden sind, eine Auswahl von Zeichnungen, eine Fotoserie aus dem Jahr 1995 und eine gebundene Materialsammlung mit dem Titel "The Lord drinks with the Cook in the Kitchen", die seit 1995 immer wieder aktualisiert und umgearbeitet wurde. Außerdem erscheint eine neue Auflage des im letzten Jahr erschienen Buches "Genuss Luxus Stil", in dem Josef Kramhöller Texte aus den letzten 10 Jahren zusammenfasst.

Der Unterschiedlichkeit der Medien - Kramhöller arbeitete auch in den Bereichen Performance und Video - steht eine inhaltliche Konzentration entgegen. Ein auffälliger Aspekt in Josef Kramhöllers Produktion ist die fast beschwörende Wiederholung von Motiven. Ein Portrait von Clara Schumann beispielsweise, das auf dem Hundert Mark-Schein abgebildet ist, oder zahlreiche Skizzen sozialer Situationen, von Ausstellungseröffnungen oder zu seinen Performances, ziehen sich motivisch durch Kramhöllers jüngere Arbeiten.

Der Stil der Skizzen und Bilder ist informell, gestisch und manchmal expressiv, und erinnert an den Studienstil der Münchener Akademie. Kramhöller hat diese, ihm vertraute Kunstpraxis offensichtlich ganz bewußt beibehalten, als seine Arbeit sich längst sehr viel konzeptueller und experimenteller entwickelte. Es entsteht der Eindruck, daß durch dieses Wiederholen solche Einflüsse als Teil seiner Biografie sichtbar gehalten werden sollen und immer wieder befragt werden. Besonders auffällig ist das in den zuletzt entstandenen, großformatigen Bildern, die sehr virtuos gemalt sind und Situationen aus seinen Performances zum Thema haben. Die Konfrontation seiner ehemaligen Identität als Maler mit seiner aktuellen textuellen und performativen Arbeit wirft auch die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen eines Malereistils auf, aber nicht als kühle Versuchsanordnung, sondern aus einer Identifizierung mit dem Medium heraus, von dem aus er sich zuerst als Künstler konstruiert hat.

Die Ausweitung des Performativen in andere Medien hinein, zwischen Vorskizze und Dokumentation, zwischen Entwurf und permanenter Umarbeitung, setzt sich auch in der Fotoserie mit seinen Fingerabdrücken auf Schaufensterscheiben von Luxusläden  fort. "How to colonise colonised spaces?" "How do your dreams picture revolution?" (J.K.) Seit dem Beginn der 90er Jahre haben sich die Bedingungen der Kunstproduktion wesentlich verschärft. Kramhöller erlebte diese Verschärfung als einen Aufbruch, der sehr konkret im Kunstverein München unter der Leitung von Helmut Draxler Formen fand. Dem analytisch-konzeptuellen Arbeitsansatz setzte der an einigen Gruppenprojekten beteiligte Kramhöller seine eigene Arbeit zur Seite. In den unterschiedlichsten, aber konzeptuell verflochtenen Medien arbeitete Kramhöller an einem "poetischen Projekt" - ein mögliches Wort für eine Methode, in der die Beschäftigung mit Kunst und Politik eine ausgeprägte Nicht-Pragmatik aufrecht erhält, die sich dem Wunsch und den Erforschungen der Ränder des Möglichen verpflichtet.

Josef Kramhöller starb im Mai diesen Jahres in London. Die Ausstellung wird organisiert von Fabienne Audéoud, Thomas Helbig, Axel John Wieder und Amelie von Wulffen.
 

The Galerie Kienzle & Gmeiner is opening a solo exhibition of drawings, photographic works, paintings and texts by Josef Kramhöller. Resident in London since 1994, it is his first solo exhibition in Germany.

The exhibition contains three paintings from early 2000, a selection of drawings, a photographic series from 1995 and a bound collection of material entitled The Lord drinks with the Cook in the kitchen, which has been continually added to and reworked since 1995. Accompanying the exhibition is a new edition of Josef Kramhöller’s book Genuss Luxus Stil (Relish Luxury Style), published last year, of his collected texts of the past decade.

The variety of media – Kramhöller also works in performance and video – stands in contrast to a unity of artistic content. A noticeable aspect of Kramhöller’s production is an almost spell-like repetition of motifs. The numerous sketches of social situations and exhibition openings, or from his performances, or the portrait of Clara Schumann, for example, from the hundred-mark note, are a motivic thread throughout his recent work.

The sketches and paintings have the informal, gesticulatory and sometimes expressive style of the Munich Academy. Kramhöller obviously consciously retained this familiar artistic practice even after his work had undergone a much more conceptual and experimental development. The impression is given of such influences being kept visible as part of the artist’s biography and as a repeated point of reference. This is particularly noticeable in the most recent, large-format works, painted with great virtuosity with subject matter from Kramhöller’s performances. The confrontation of his former identity as a painter with his current textual and performance works raises questions as to the possibilities and boundaries of a style of painting, and does so not as a cool experiment but from within an identification with the medium that was his initial defining construct as an artist.

The extension of performance into other media – between preceding sketch and documentation; between draft and permanent reworking – continues in the photographic series of the artist’s fingerprints on luxury shop windows. How to colonise colonised spaces? How do your dreams picture revolution? (J.K.) Since the early 1990s the conditions for artistic production have been considerably aggravated, a situation that Josef Kramhöller experienced as a period of new departures, and which found very concrete form in the Munich Art Association under the direction of Helmut Draxler. In a number of group projects Kramhöller augmented the analytic-conceptual approach prevalent here with his own work. In varied but conceptually interwoven media, he devised a poetic project – a possible definition of a method in which a concern for art and politics adheres to a decided non-pragmatism dedicated to exploring the boundaries of the possible.

Josef Kramhöller died in May this year in London. The exhibition was organised by Fabienne Audéoud, Thomas Helbig, Axel John Wieder and Amelie von Wulfen.


Sammlung Kienzle