galerie kienzle & gmeiner

welt (oh, no!)

jesko fezer - axel john wieder

 

16. april 1999 - 7. juni 1999

 

English version see below

Axel Wieder und Jesko Fezer stehen unter den jüngeren Künstlern für eine Richtung, die bisher in Berliner Galerien noch nicht häufig zu sehen war. Zwar steht die Stadt international für einen kritischen Kunstbegriff, an den z . B die „ berlin biennale“ anzuschließen versucht hat. Die Ausstellungen und Ereignisse, auf die dieser Ruf gründet, suchen sich jedoch meistens ihre eigenen Räume und ihre eigene Öffentlichkeit. Dadurch ist es in Berlin zu einer Situation gekommen, in der bis auf wenige Ausnahmen Überschneidungen zwischen „ Galeriekunst“ und dem täglichen, aktuellen Kunstgeschehen nicht stattfinden. Die Galerie Kienzle & Gmeiner setzt seit ihrer Wiedereröffnung mit Ketty La Rocca in den neuen Räumen in Charlottenburg auf eine Verhandlung zwischen historischen und aktuellen Beispielen einer als subjektive Repräsentationskritik zu bezeichnenden Arbeit und den Gegebenheiten einer Galerie.

Axel Wieder und Jesko Fezer arbeiten auf verschiedenen Terrains. Das schließt zum einen Ausstellungen im Kunstraum, aber auch Publizieren, Projektarbeit ( im Rahmen der kritischen Architektinnengruppe Freies Fach oder des Projektes Baustop.Randstadt), Musik und Arbeiten im öffentlichen Raum (bis hin zum Vorfilmprogramm der Kinos) mit ein. Inhaltlich hat sich der Blick auf die Welt ( oh, no!) zu einem Blick auf Stadt / Architektur verdichtet. Stadt erscheint darin aber weder als Plan noch als abbildbares Raumgefüge gesellschaftlicher Verhältnisse, sondern als politische Konstellation, aus der heraus sich wieder Versatzstücke beziehen, neu zusammenstellen und neu deuten lassen. So ein Versatzstück ist ein von der irischen Designerin und Architektin Eileen Gray entworfenes Sofa. Gray prägte knapp nach dem ersten Weltkrieg einen ganz eigenen Modernismus-Begriff. Das Sofa steht nun im Galerieraum als ein Möbelstück, das zwar immer noch verkauft wird, niemand aber so recht  haben möchte, weil es sich nach der Moderne als zu klein herausgestellt hat. Mit diesem Sofa kommen verschiedene Assoziationsflächen in die Ausstellung. Der Bezug auf die Person Eileen Gray platziert weitere Bezüge zu geschlechtsspezifischer Geschichtsschreibung, dem Privaten als gesellschaftliches Verhältnis und diverser Funktionlogiken im Postfordismus in der Galerie. Die Galerie ist einer vieler möglicher Orte, auf diese Bezüge zurückgreifen.

Die Ausstellung ist in sich eine Erzählung über Beschäftigung mit einem Thema und dem Schwanken dabei zwischen interessanten Phänomenen, Analyse und Information/Feldarbeit, bei der, wie es Kritikerinnen formulieren, das eigentliche Feld der Kunst verlassen wird. Die Frage nachdem Thema ist die frage nach der Ausstellbarkeit, der Funktion einer visuellen Repräsentation von gesellschaftlichen Themen, dem Stellenwert von Information und deren Abbildbarkeit.


Axel Wieder and Jesko Fezer stand for a movement among young artists that has not yet been seen much in Berlin galleries. The city has an international reputation for a critical concept of art, which the berlin biennale, among others, has tried to plug into. Nevertheless, the exhibitions and events on which this reputation is based are, for the most part, still seeking their own spaces and their own audience. This puts Berlin in a situation in which, with few exceptions, there is no overlap between gallery art and current everyday art activities. Since its reopening by Ketty La Rocca in new spaces in Charlottenburg, the Galerie Kienzle & Gmeiner has been trying to negotiate between the social and economic conditions of a gallery and historic and current examples of works that can be described as a subjective critique of representation.

Axel Wieder and Jesko Fezer work on different terrains. They include exhibitions in art spaces but also journalism, project works (as part of the group of critical architects Freies Fach or the project Baustop.Randstadt), music, and public works (including a supporting program of film in cinemas). In terms of content, the gaze at World (oh, no!) has condensed into a gaze at city/architecture. In it, however, the city is seen neither as a plan nor as an illustratable spatial construct of social relations but rather as a political constellation out of which set pieces are drawn, reassembled, and reinterpreted. One such set piece is a sofa by the Irish designer and architect Eileen Gray. Shortly after First World War, Gray formed her own unique definition of modernism. The sofa is now in the gallery space as a piece of furniture that is, though it is still for sale, no one really wants it, because after modernism it turned out to be too small. This sofa brings various associations into the exhibition. The reference to Eileen Gray as a person places in the gallery various other connections to gender-specific historiography, the private as a social relationship, and diverse logics of function under post-Fordism. The gallery is one of many places to which these connections refer.

The exhibition is itself a narrative about occupying oneself with a theme and the associated wavering between interesting phenomena, analysis, and information or fieldwork, in which, as critics say, the true field of art is abandoned. The question of the them is the question of whether something can be exhibited, of the function of a visual representation of social themes, and of the value of information and whether it can be depicted.


Sammlung Kienzle