galerie kienzle & gmeiner

im lichte milder verklärung

marieta chirulescu | jack goldstein | michael hakimi | claudia kugler | eva-maria raschpichler | kerstin stoll | elmar zimmermann

 

8. märz 2008 - 5. april 2008

 

English version see below

„To see is that sense of loss, of an appearing disappearance, that is always behind.“

Jack Goldstein

Das als Film projizierte Bild eines Messers. Frei gestellt vor blauem Grund. Die stählern glänzende Oberfläche des harten und scharfen, in seiner deutlichen Präsenz jedoch völlig undurchdringlichen Gegenstands wirft ein darauf gerichtetes Licht zurück, es bricht sich am polierten Metall. „The Knife“ (1975) zeigt ein Messer als Reflexionsgegenstand; ist als Film ohne Narration und Bild in Bewegung: zugleich Ikone und Allegorie.

Als Ausstellung selbst Zone unterschiedlichster Anforderungen und Begehrlichkeiten bietet „Im Lichte milder Verklärung“ einen Raum an, in dem Bilder zusammen kommen. Bilder, die auf ganz individuelle Weise, was Technik und Medium ebenso wie die ihnen zugrunde liegenden künstlerischen Verfahren und Ansprüche betrifft, zu ihrer jeweiligen Form finden; ihre entsprechende Gestalt annehmen. Zum Beispiel in der lapidaren Form digitaler Prints oder konventionell als Malerei, als Diaprojektion oder installierter Film, als erratisches Objet trouvé oder in aufwändigen Arbeitsschritten realisierte Skulptur treten sie im Format der Ausstellung zusammen.

Als Ausstellung bietet „Im Lichte milder Verklärung“ einen Reflexionsraum über Bilder an. Die Gruppenschau leuchtet den Raum zwischen den Bildern, wie sie sind und was sie zeigen ebenso aus wie die unauflösliche Distanz-Beziehung zwischen der Wahrnehmung und ihrem Gegenstand. Sie schlägt einen Diskurs in Bildern vor und begreift sie deshalb als aktive Figuren. Figuren eben, die weniger ‚zeigen’, als dass sie in ihrer Weise ‚sind’.

„Im Lichte milder Verklärung“ will Diskretion wahren - aber nicht, um eine Form einzunehmen, die, d’accord mit ihrer Umgebung, damit bereitwillig in Einklang steht. Etwas in einem milde verklärenden Licht sichtbar, ja dadurch überhaupt so attraktiv und wirksam zu machen und gleichzeitig merklich in Reserve zu behalten, ist Angebot der Arbeiten dieser Ausstellung.

Die aktuellen Arbeiten von Marieta Chirulescu, Michael Hakimi, Claudia Kugler, Eva-Maria Raschpichler, Kerstin Stoll und Elmar Zimmermann, in Zusammenhang gesetzt mit der historischen Filminstallation des amerikanischen Künstlers Jack Goldstein (1945-2003), vereint nicht nur deren jeweilige künstlerische Auseinandersetzung mit (als und für die Kunst nutzbar gemachten) Bildformen, den entsprechenden Techniken, Medien und Themen; sie nähern sich zudem auch durch ihre Auseinandersetzung mit der Tradition von Wahrnehmungsweisen, wie sie an bestimmte Bildformen, Techniken und Medien aber auch an thematische oder ikonografische Muster geknüpft sind, aneinander an. Dabei ist von ebenso großem Interesse das, was als Arbeit ‚da’ und ‚sichtbar’ ist, wie das, was trotzdem in Reserve bleibt.
 
Die von der Berliner Künstlerin Claudia Kugler (Jg. 1969) kuratierte Ausstellung in der Galerie Kienzle & Gmeiner schließt an ihre 2006 in dem Projektraum der Akademie Schloss Solitude, Stuttgart, realisierte Gruppenschau „Merry Go Round“ über Mechaniken und Effekte des Wiederholens an.


Die Ausstellung „Im Lichte milder Verklärung“ setzt sich mit Oberfläche und Wahrnehmung auseinander; thematisiert genauso Formen der Sichtbarmachung wie des Vorbehalts und des Entzugs.

Beim Betreten der Galerie steht man gleich vor einer Skulptur aus Keramik von  Kerstin Stoll (Jg. 1968). Der Titel „Mercurius“ läßt eine mythologische Seite anklingen. Eine irisierende Weißgoldglasur umschließt eine korallenartige Form. Künstlichkeit trifft auf Natürlich-Organisches. Grün bricht sich 1000-fach schillernd.

Farbreize, Lichtbrechungen, Aufblitzen vermittelt ebenso die Malerei wie der digitale Druck von Marieta Chirulescu (Jg. 1974). Oberfläche wird hier in einer Weise hergestellt, dass sie den Effekt des Haptischen erzeugt, Bildoberfläche in der Art verkörpert, dass Bild zu Motiv und Gegenstand zu werden scheint. Solche Formen von medienübergreifender Raffinesse, Verfahren wie Montage und Kombination, Entleerung und Konkretisierung, sie bilden generell die Struktur der Ausstellung.

Elemente einer Fotografie einer polierten Natursteinoberfläche speist Claudia Kugler (Jg. 1969) in ein 3D-Programm ein. Sie liefern wie der digitale Baukasten des Programms das Gestaltungsmaterial für seltsam glaubwürdige Bildfindungen, die Architekturen zu zeigen, Räume widerzugeben scheinen. Die beinah vital anmutende und doch wie eingefrorene Oberfläche wird durch eine darüber liegende dicke Plexiglasschicht zugleich zum Objekt verstärkt und als Bild entrückt.

„To see is that sense of loss, of an appearing disappearance, that is always behind.“ (dt. etwa „Sehen ist dieses Gefühl des Verlusts, eines aufscheinenden Verschwindens, das immer dahinter liegt.“ lautet einer der zahlreichen zwischen 1975 und 1985 entstandenen Aphorismen von Jack Goldstein (1945 - 2003). Und er wirft ein Licht auf seine installiert gezeigte Film-Arbeit „The Knife“. Das Messer ist hier, im Wortsinn, Reflexionsgegenstand: eine vor blauem Grund scharf umrissene Form, in dessen metallener Oberfläche sich das Licht bricht. So wie einerseits alles klar auf der Hand zu liegen scheint, wenn die Kamera ihren Gegenüber fokussiert, so entzieht sich andererseits doch dessen Wesen; das, was wir hinter den Dingen vermuten.

Eva-Maria Raschpichler (Jg. 1980) läßt in ihrer Diaprojektion zarte architektonisch wie abstrakt wirkende Zeichnungen und die Knicke in den Blättern, worauf sie gezeichnet sind, zusammenarbeiten. Als wäre es selbstverständlich beide Techniken, Ordnung und Zufall, Gestaltetes und Hingenommenes zu kombinieren.

Seine gefundenen Materialien versetzt Elmar Zimmermann (Jg. 1976) in spezifische Zustände, wie er hier, bei „Héritage“, ein altes Faß mit der Sprengkraft eines psychodelischen Innenlebens lädt. Neue Funktionen, fremde und die eigene Geschichte verbinden sich zu einer anderen Realität: gebaut aus poveren Materialien, die eine verklärende Gewandung umgibt.

Von Michael Hakimi (Jg. 1968) sind zwei Arbeiten aus einer Serie von am Rechner generierten rätselhaften Bildfindungen zu sehen. Sie treten als großformatig-körperliche, gesucht farbige Computerausdrucke auf und zeigen zugleich weich gezeichnet und klar bestimmt räumliche Anordnungen und Formen. Selber virtuelle Realität zeigen sie dem Betrachter Bilder an und schließen ihm Räume auf, worüber Bedeutung, Zusammenhang, Sinn überhaupt erst konstruiert werden können.
 

“To see is that sense of loss, of an appearing disappearance, that is always behind.”

Jack Goldstein

The picture of a knife projected as film. Extracted against blue background. The steel-like shining surface of a hard and sharp object, in its clear presence however completely impermeable, throws back a light pointed at it; it breaks on the polished metal. “The Knife” (1975) shows a knife as object for reflection; moves as a film without narration and images: both icon and allegory at the same time.

As exhibition itself a zone of the most varied demands and desires “In the light of mild romanticism” offers a space, in which pictures come together. The pictures finally find their respective forms, each in a very individual way, in terms of technique and medium and also concerning the artistic processing and the approached claim underlying the works; they take on their relevant shape. For instance in the lapidary form of digital prints or conventionally, as painting, as slide projection or as installed film, as an erratic “objet trouvé” or in a sculpture realised in complex work steps, they come together in the format of the exhibition.

As exhibition, “In the light of mild romanticism” offers a space for reflection about pictures. The group exhibition illuminates the space between the pictures, what they are and what they show, as well as the indissoluble distant relationship between the perception and its object. It proposes a discourse in pictures and understands them therefore as active figures. Figures, indeed, that don’t really “show” anything, but rather “are” in their very own way.

“In the light of mild romanticism” intends to remain discrete – but not in order to adopt a form that is d’accord with its surroundings and therefore readily in unison with it. The offering presented by the works in this exhibition is to make something visible in a mildly romanticising light, in fact, rendering it as attractive and effective at all and at the same time keeping it clearly reserved.

The current works of Marieta Chirulescu, Michael Hakimi, Claudia Kugler, Eva-Maria Raschpichler, Kerstin Stoll and Elmar Zimmermann set in correlation with the historical film installation of the American artist Jack Goldstein (1945-2003), not only unites their relevant artistic contention with image forms (made usable as and for art), the corresponding techniques, media and themes; moreover, they also approach each other through their debate with traditional ways of perception, the way they are linked to certain image forms, techniques and media, but also to thematic or iconographic patterns. Thereby is also of great interest that which is “there” as work and “visible”, as well as that, which still remains in the reserve.

The exhibition shown at Galerie Kienzle & Gmeiner, curated by the Berlin artists Claudia Kugler (born 1969), follows up to the group exhibition “Merry Go Round” about mechanisms and effects of repetition, staged in 2006 in the project space of Akademie Schloss Solitude, Stuttgart.


The exhibition “In the Light of Romanticism” deals with surface and perception; discusses both forms of visualization and reservations as well as denial.

When entering the gallery one immediately stands in front of a sculpture of ceramic made by Kersin Stoll (born 1968). Its title “Mercurius” insinuates a mythological side. An iridescent white-gold glaze encloses a coral-like form. Artistry meets the natural organic. Green breaks into thousand-fold shining sparkles.

Colour impulses, light refractions, flaring up flashes are also conveyed by the painting and the digital print of Marieta Chirulescu (born 1974). Surfaces are produced here in a way that they create the effect of the haptic, picture surface typified in such manner that the picture seemingly becomes motif and object. Such forms of media-crossing ingenuity, procedures like assembly and combination, depletion and concretisation, they form the general structure of the exhibition.

Claudia Kugler (born 1969) feeds elements of a photograph of a polished natural stone surface into a 3D programme. They supply, like the digital modules of the programme, design material for strangely credible picture encounters, which seem to show architectures and display spaces. The almost vital appearing, but still frozen seeming surface is reinforced through a thick covering layer of Plexiglas into an object and at the same time removed aloof as picture.

“To see is that sense of loss, of an appearing disappearance, that is always behind.” is one of the numerous aphorisms created by Jack Goldstein (1945-2003) between 1975 and 1985. And he throws light on his film work “The Knife” shown as installation. Here, the knife is in the sense of the word, an objection for reflection: a sharply outlined form against blue background, where the light breaks up in its metal surface. Just as on the one hand everything seems to be clearly at hand, when the camera focuses on its opposite counterpart, on the other, its nature manages to escape; that which we assume behind things.

Eva-Maria Raschpichler (born 1980) lets frail architectural as well as abstract seeming drawings and the bends in the leaves on which she drew work together in her slide projections. As if it were the most natural thing to combine both techniques, order and coincidence, the designed and the acquiescent.

The materials he found, Elmar Zimmermann sets into specific conditions, like here, with “Héritage”, where he fills an old barrel with the explosive force of a psychedelic inner life. New functions, foreign and one’s own history merge into another reality: built from ?pover? material, that is surrounded by a transfiguring and romanticising mantle.

Two works from a series of strange image findings, generated at the computer, are by Michael Hakimi (born 1968). They appear as large-scale format embodied, deliberately colourful computer prints and at the same time show, spatial order and forms in soft drawings and clearly defined outlines. Being virtual reality themselves, they show the observer images and open up spaces for him, whereby meaning, relation, sense can be construed in the first place.


Sammlung Kienzle