galerie kienzle & gmeiner

flugversuch in spurenkammer

wolfgang betke | rob churm | aron curry | joanne greenbaum | charlie hammond | craig mulholland | giovanni battista piranesi | annette ruenzler | gary stephan | walter swennen | christopher williams | ericson ziegler

 

9. Mai 2009 - 16. juni 2009

 

Wilhelm Schürmann hat eine Auswahl an Werken seiner Sammlung getroffen, die um neue „künstlerische Territorien“ kreisen und mit Oberflächen, Durchbrüchen, Überlagerungen und ungewohnten Sehweisen sowie Brüchen von Blicken und Ansichten spielen. Was einzelne Werke in Materialien und Perspektiven andeuten, wird vor allem im Dialog der Objekte offenbar: eine veränderte Wahrnehmung des Betrachters.  

„Ich verstehe mich als Privatsammler, als Privatgelehrter in Sachen Kunst, und in welche berufliche Aktivität ich da hineindefiniert werde, ist ziemlich zweitrangig. Wichtig ist die persönliche Kennerschaft, und das kann man ja nicht nur im Einkaufen, im Besitzen von Kunst erreichen, sondern eben auch in dem Nachdenken darüber, wie man die Dinge wieder zum Strahlen bringt, jenseits ihrer Materialität. Kunst, die im Lager steht oder zuhause bleibt, eröffnet keine Zusammenhänge zwischen Werk und öffentlicher Betrachtung. Private Bildvorstellungen im ungeschützten öffentlichen Raum sind der Hintergrund, vor dem ich mich als Sammler, als Person, die mit Kunst umgeht, privat und beruflich, bewege.“

In Diskussion mit dem Galeristen und Sammler Jochen Kienzle entstand ein „künstlerischer Blickwechsel“ und eine kreative Auseinandersetzung um die experimentelle Camouflage der Kunstwerke jenseits gängiger Bewertungen. Der Schwerpunkt liegt auf jungen schottischen Künstlern (Craig Mulholland, Rob Churm), deren Werke im Dialog mit amerikanischen Künstler wie Aaron Curry und Joanne Greenbaum und auch Vertretern der jungen, in Berlin arbeitenden experimentellen Künstlergeneration wie Annette Ruenzler und Wolfgang Betke stehen.
 

Die Denk- und Freiräume der Kunst werden in unterschiedlichsten Strategien erobert und so wirkt der Kupferstich des unkonventionellen „Altmeisters“ Piranesi von 1756 als Auftakt und Herausforderung ästhetische Bezüge neu zu überdenken.

Hier entsteht in Gegenüberstellung mit dem Objekt eines alten Spielzeug-Lastwagens des amerikanischen Künstlerduos Ericson/Ziegler mit dem Titel „Loaded History“, der Fragmente von kleinen steinernen Texttafeln geladen hat eine großartige historische Brücke. Derartige Bezüge und Querverweise verdichten sich in der gesamten Ausstellung.     

Heute ist Wilhelm Schürmann vor allem als Sammler und Kurator von Gegenwartskunst bekannt, seine ambitionierte Fotografie gab er Anfang der neunziger Jahre auf. „Das, was ich zu sagen hatte, war in der Welt.“ Und trotzdem scheint es nicht ausgeschlossen, dass er eines Tages wieder zur Kamera greift: „Ich habe mir früher die Welt angeschaut und Bilder gemacht. Und ich sehe in meiner Umwelt nach wie vor die Motive, die Bilder.“


Sammlung Kienzle